Donnerstag, 25. November 2010

AMOK – Die Geschichte hinter der Geschichte


März 2009. Im Fernsehen werden die traurigen und grausamen Bilder eines erneuten Amoklaufs an einer deutschen Schule gezeigt. Der 17 jährige Tim K tötete an der Albertville Realschule in Winnenden 15 Menschen. Eines der dunklen Kapitel für Deutschland. Eins von vielen.


Schon die eigentliche Tat war unvorstellbar, jedoch die dadurch ausgelöste Kettenreaktion löste bei mir vollkommene Verständnislosigkeit aus. In den ersten Tagen berichteten die Medien sehr detailliert und komplex. Analysen. Vermutungen. Feststellungen. Aber eine Frage konnten sie nicht klären: Warum hat Tim K an jenem Tag 15 Menschen und dann sich selbst umgebracht?


Natürlich war es nicht mehr möglich, denn der einzige, der das hätte beantworten können, ist tot. In ihrer Ohnmacht suchten die Medien und dadurch auch die Politik einen Sündenbock: Und schon wurde wieder die Debatte über die „Killerspiele“ und „Gewaltfilme“ losgetreten. Doch diesmal rückte auch die Waffenlobby stärker ins Visier.

Jedoch stellte sich bald schnell heraus: Die Politik hatte nicht die Eier in der Hose um endlich das Waffengesetz zu verschärfen. Sie kuschten vor der Lobby und verabschiedeten einen lächerlichen Gesetzesentwurf.

Nun blieb nur noch der eine Sündenbock: Gewalt in den Unterhaltungsmedien. Aber da hieß es hart durchgreifen. Und die Leittragenden: Leidenschaftliche Filmliebhaber und Sammler, die der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen, den neuen und nicht zu übersehenden Button für die Altersbeschränkung der FSK (Freiwilligen Selbstkontrolle) auf der Vorderseite von DVDs zu verdanken haben. Somit wird die Verantwortung und die Erziehung mal wieder auf dritte Personen abgeschoben.


Aber was ist mit Tim K? Warum sah er nur diesen einen Weg? Was war passiert? Was hat ihn zu dieser Tat getrieben. Daraufhin habe ich begonnen, dass Drehbuch von „Amok“ zu schreiben. Um auch auf soziale Missstände und Differenzen hinzuweisen und zu zeigen, dass der Täter, trotz seiner grausamen Tat, immer noch ein Mensch war und kein seelenloses Monster. Wie hat er sich gefühlt in dem Moment? An was hatte er gedacht?

Selbstverständlich möchte ich mit dem Film die Tat selbst nicht verherrlichen. Und selbstverständlich will ich das Bild der Opfer und ihrer Angehörigen auch nicht nachhaltig schädigen.


Ich möchte nur auf eines hinweisen: Es war ein Mensch, der diese unvorstellbare Tat verübt hat. Und das WARUM sollte uns zu denken geben.

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